Digestionsfördernde Phytotherapeutika
Eine in der Naturheilpraxis unentbehrliche Heilpflanzengruppe
Die physiologische Sekretion der Verdauungsdrüsen ist gewissermaßen die Voraussetzung für eine optimale Verdauung. Bei vielen Patienten, welche uns in der Praxis aufsuchen, liegen jedoch dyspeptische Beschwerden wie Meteorismus, Flatulenz, Übelkeit und Appetitlosigkeit vor. Störungen funktioneller Art im Magen-, Darm-Bereich haben in den letzten Jahren an Häufigkeit zugenommen. Als Ursachen hierfür sind Stress, Bewegungsarmut und schlechte Ernährungsgewohnheiten verantwortlich. In diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, wie Befindlichkeitsstörungen im Verdauungstrakt mit spezifischen Heilpflanzen effizient begegnet werden kann.
Bitterstoffe - Amara
Zu den chemischen Verbindungen der Bitterstoffe gehören:
- Terpene
- Monoterpene
- Sesquiterpene
- Sesquiterpenlaktone
- Glykoside
- Steroide
- Bittersäuren und
- Alkaloide
Die Bitterstoffe werden eingeteilt in:
- Amara pura respektive tonica
- Amara aromatica und
- Amara acria
Amara pura zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Wirkung ausschließlich durch die in ihren enthaltenen Bitterstoffen erfolgt. Amara aromatica entfalten ihre Wirkung durch Bitterstoffe und ätherische Öle und die Amara acria weisen neben den Bitterstoffen noch Scharfstoffe auf. Zu den Amara pura gehören:
- Enzian – Gentiana lutea
- Tausendgüldenkraut – Centauria minus
- Bitterklee – Menyanthes trifoliata und
- Benediktenkraut – Cnicus benedictus
Zu den Amara aromatica zählen:
- Wermut – Artemisia absinthium
- Kalmus – Acorus calamus
- Schafgarbe – Achillea millefolia sowie die
- Engelwurz – Angelica archangelica
Schließlich werden zu den Amara acria der:
- Ingwer – Cingiber officinale und der
- Galgant – Alpinia officinarium
gezählt.
Amara werden nach ihrem Bitterstoffwert differenziert. Den höchsten Bitterwert hat die Enzianwurzel, gefolgt vom Wermutkraut, Tausendgüldenkraut der Pomeranzenschale und dem Benediktenkraut, wie dies aus nachfolgender Tabelle hervorgeht.
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Droge |
Bitterkraut |
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Enzianwurzel |
10.000 - 30.000 |
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Wermutkraut |
10.000 - 25.000 |
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Tausendgüldenkraut |
2.000 - 10.000 |
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Pomeranzenschale |
600 - 2.500 |
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Benediktenkraut |
800 - 1.500 |
Bitterstoffe werden am besten als Tinktur mit warmem Wasser eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen, da bereits deren Geruch die Verdauungsdrüsen zur Sekretion anregt.
Bitterstoffe führen zu einem schnelleren Sättigungsgefühl, was sich günstig auf das Körpergewicht auswirkt.
Sehr gute Resultate lassen sich in meiner Praxis mit dem Präparat Bio 7 Kräuter der Firma guterrat erzielen. Das Präparat steht den Therapeuten in der Pulver-Tropfen– und Kapselform zur Verfügung. Zunächst soll auf die im Präparat Bio 7 Kräuter enthaltenen Amara, wie Wermut und Schafgarbe eingegangen werden, gefolgt von den weiteren, die Sekretion der Verdauungsdrüsen anregenden Pflanzen.
Wermut – Artemisia absinthium
Der Wermut war ursprünglich in Osteuropa, Nordafrika und Asien beheimatet. Durch Kultivierung wurde er in ganz Europa weiterverbreitet. Er wächst auf kalkhaltigen, der Sonne exponierten Böden sowie in Weinbergen und auf Schuttplätzen.
Der Wermut gehört zur Familie der Korbblütler Asteraceae syn. Compositae
Inhaltsstoffe
Wermutkraut enthält ätherisches Öl mit Mono- und Sesquiterpenen, darunter Thujon und - Bisabolol. Wichtig im Wermut sind seine Bitterstoffe wie Artabsin, Absinthin und Matricin. Des Weiteren enthält Wermut Flavonoide.
Wirkung
Wermut wirkt antimikrobiell und durch seine Bitterstoffe wird die Sekretion von Speichel und der übrigen Verdauungsdrüsen, wie jene des Magens, der Bauchspeicheldrüse und der Leber angeregt. Wermut wirkt appetitanregend und tonisierend.
Monographie
- Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden
- Dyskinesien der Gallenwege
Schafgarbe – Achillea millefolium
Die Schafgarbe, zur Familie Asteraceae gehörend, kommt in Europa, Vorderasien und im Mittelmeergebiet vor. Man findet sie auf Wiesen, Weiden und an Wegrändern. Verwendung findet von der Pflanze ihr Kraut – Millefolii herba.
Inhaltsstoffe
Die Schafgarbe enthält ätherisches Öl, welches überwiegend aus Mono- und Sesquiterpenen wie Campher und Cineol besteht. Des Weiteren kommen in ihr Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe vor.
Wirkung
Das in der Schafgarbe enthaltene ätherische Öl hat antibakterielle und antiphlogistische Eigenschaften. Die Flavonoide der Heilpflanze entfalten einen spasmolytischen Effekt. Die Bitterstoffe der Schafgarbe wirken appetitanregend und sekretionsfördernd auf die Verdauungsdrüsen des Magen- Darmtraktes.
Monographie
-
Innere Anwendung
Appetitlosigkeit
Dyspeptische Beschwerden wie leichte Krämpfe im Magen- Darm - Bereich
-
Äußerliche Anwendung
Sitzbäder zur Behandlung schmerzhafter Krampfzustände psychovegetativen Ursprungs im kleinen Becken.
Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Schafgarbe und andere Korbblütler.
Wacholder – Juniperus communis
Wacholder gehört zur Familie der Zypressengewächse Cupressaceae. Er ist über die ganze nördliche Halbkugel bis zum Äquator verbreitet. Wacholder ist ein typischer Strauch der Trockenrasen- und Heidelandschaften. Der griechische Arzt Dioskurides lobte den Wacholder wegen seiner wassertreibenden Kraft. Medizinische Verwendung von der Pflanze finden die Wacholderbeeren Juniperi fructus.
Inhaltsstoffe
Wacholderbeeren enthalten ätherisches Öl mit einem hohen Anteil an α- Pinen und β- Pinen und anderen Monoterpenen. Des Weiteren kommen in der Pflanze Flavonoide, Gerbstoffe und Invertzucker vor.
Wirkung
Der Wacholder wirkt durch seinen Gehalt an ätherischem Öl diuretisch, was durch eine vermehrte Nierendurchblutung zustande kommt, wobei es sich hierbei um eine Aquarese handelt. Wacholder regt die Darmperestaltik und die Verdauung an. Zudem wirkt er expektorierend, bronchospasmolytisch und führt zu einer Tonuszunahme am graviden Uterus, weshalb er in der Schwangerschaft kontraindiziert ist.
Anwendungsgebiete
Wacholder ist bei innerer Anwendung wie dyspeptische Beschwerden, Aufstoßen, Sodbrennen und Völlegefühl indiziert. Für seine äußere Applikation kommen Badeöle, Balsame und Salben zum Tragen, welche bei Rheuma, Gicht, Neuralgien und chronischer Arthritis eingesetzt werden.
Anis – Pimpinella anisum
Die Provenienz der Anispflanze ist Ägypten, der Mittelmeerraum und Russland. Heute wird er fast überall auf der Welt kultiviert. Verwendung finden die Anisfrüchte – Anisi fructus..
Wirksame Inhaltsstoffe
Die Hauptkomponente des Anis, ist sein ätherisches Öl mit Anethol. Des Weiteren enthält er Phenylcarbonsäuren, Flavonoide und fettes öl, Eiweiß und Zucker.
Wirkung
Anis gehört zu den carminativen Heilpflanzen. Sein ätherisches Öl wirkt spasmolytisch und antibakteriell. Anisfrüchte wirken der Gärung und Gasentwicklung im Verdauungstrakt entgegen. Das in ihm enthaltene Anethol hat expektorierende Eigenschaften.
Indikationen
Anis ist bei dyspeptischen Beschwerden indiziert und wird innerlich und äußerlich bei katarrhalischen Beschwerden der Atemwege eingesetzt Besonders in der Pädiatrie ist er wegen seines süßen Geschmacks sehr beliebt und findet hier in Teemischungen und Hustensäften Verwendung.
Kontraindikationen
Allergie gegen Anis und Anethol
Kümmel – Carum carvi
Der Kümmel wächst in fast ganz Europa, Nordafrika und Nordasien. Er gehört zur Familie der Doldengewächse Apiaceae. Kümmel gedeiht gerne auf feuchten, tiefgründigen Böden. Die Pflanze stammt überwiegend aus Kulturen. Verwendung finden die Kümmelfrüchte Carvi fructus.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Die Kümmelfrüchte enthalten ätherisches Öl mit Carvon als Hauptkomponente, welche den typischen Geruch des Kümmels bestimmt. Des Weiteren enthält Kümmel Phenylcarbonsäuren – Kaffeesäure – und geringe Mengen an Flavonoiden und Cumarinen. Weitere Inhaltsstoffe des Kümmels sind fettes Öl mit Ölsäure, Kohlenhydrate und Eiweiß.
Kümmel ist blähungstreibend und gehört neben Fenchel und Anis zu den stärksten Karminativa. Er wirkt spasmolytisch im Verdauungstrakt, digestionsfördernd, appetitanregend, keimhemmend und durchblutungsfördernd bezüglich der Magen- Darm- Schleimhaut. Zudem entfaltet Kümmel eine mild expektorierende Wirkung, zu welcher desinfizierende und choleretische Eigenschaften hinzukommen. Kümmelöl hat eine ausgeprägte fungizide Wirkung, welche stärker als Nystatin ist.
Indikationen
Kümmel ist innerlich bei Meteorismus, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen und bei krampfartigen Magen- Darm- Störungen angezeigt sowie bei Verdauungsstörungen der Säuglinge. Äußerlich wirkt Kümmelöl als Einreibemittel bei Nabelkoliken der Kinder. Eine lokale Resorption über die Bauchhaut gilt als erwiesen.
Kommission E
Dyspeptische Beschwerden wie leichte krampfartige Zustände im Magen- Darm- Bereich, Blähungen und Völlegefühl.
Fenchel – Foeniculum vulgare
Die Heimat des Fenchels, waren ursprünglich die Mittelmeerländer. Heute wird er fast in allen Kontinenten kultiviert. Fenchel wächst am besten auf nährstoffreichen, kalkhaltigen Böden und bevorzugt sonnige Lagen. Verwendung finden seine Früchte -Foeniculi fructus.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Fenchelfrüchte enthalten ätherisches Öl mit Anethol und Fenchon, fettes Öl, Eiweiß und Flavonoide. Fenchel wirkt expektorierend und erhöht die Aktivität der Flimmerhärchen bezüglich der Bronchialschleimhaut. Zudem entfaltet er keimhemmende, spasmolytische, sekretolytische und blähungswidrige Eigenschaften.
Indikationen
Erkältungskrankheiten, vor allem bei Kindern, Blähungen.
Monographie
- dyspeptische Beschwerden, krampfartige Magen- Darm- Störungen, Völlegefühl, Blähungen
- Katarrhe der oberen Luftwege
- Fenchelhonig und Fenchelsirup: Katarrhe der oberen Luftwege bei Kindern.
Bibernelle – Pimpinella saxifraga
Die Bibernelle gehört zur Familie der Doldengewächse Apiaceae. Verwendung von ihr findet die Wurzel Pimpinellae radix, welche in der Volksheilkunde eine heilkräftige Bedeutung hatte, denn so wurde sie beispielsweise in Pestzeiten empfohlen. Die Bibernelle enthält ätherische Öle, Saponine, Cumarine, Furanocuramine und Caffeoylchinasäuren. Sie gilt als schleimlösend, auswurffördernd, keimhemmend und verdauungsfördernd.
Indikationen
Erkältungen und Bronchitis
Kommission E
Katarrhe der oberen Luftwege
Die Bibernelle mit ihren Inhaltsstoffen, gilt gewissermaßen als Leitpflanze in dem Präparat 7 Kräuter.
Die Wirkung der aufgeführten Pflanzen in 7 Kräuter, entspricht einem Synergismus da sie sich untereinander in idealer Weise ergänzen.
Fallbeispiele aus der Praxis
Patientin, 63 Jahre
Die Patientin leidet an dyspeptischen Beschwerden wie Meteorismus. Flatulenz und Appetitlosigkeit. Die durch den Meteorismus verursachte Flatulenz ist zuweilen so sehr ausgeprägt, dass die Patientin sich aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen muss. Ihr macht auch die Appetitlosigkeit sehr zu schaffen. Sie ist gelernte Köchin und hat immer mit Genuss gegessen.
Diagnose: Verdauungsbeschwerden
Verordnung: Bio 7 Kräuter – Tropfen 3 mal täglich mit je 20 Tropfen auf warmem Wasser eine halbe Stunde vor dem Essen einnehmen.
Verlauf:
Die Patientin spricht gut auf die Therapie an, denn bereits nach sechswöchigerBehandlung haben sich die eingangsgenannten Beschwerden in starkem Maße reduziert. Auch verspürt die Patientin erfreulicherweise eine Zunahme ihres Appetits. Bei einem weiteren Praxisbesuch in vier Wochen ist die Patientin faktisch beschwerdefrei. Ihr wird geraten, bei Wiederauftreten der Verdauungsbeschwerden erneut das Präparat einzunehmen.
Patient, 78 Jahre
Der Patient berichtet über eine starke Appetitlosigkeit. Er ist vom schlanken Habitus und hat aufgrund seiner Inappetenz drei Kilo an Gewicht verloren. Der Patient wohnt in einem Altersheim und das Essen dort, so berichtet er, ist geschmacklich meist fade. Deshalb empfehle ich dem Patienten zum Mittagstisch ein gutes Restaurant aufzusuchen, welches sich neben der medikamentösen Therapie günstig auf seine Appetitlosigkeit auswirken würde.
Diagnose: Inappetenz
Verordnung: Bio 7 Kräuter – Tropfen 3 mal täglich 30 Tropfen auf warmem Wasser eine halbe Stunde vor dem Essen einnehmen.
Verlauf:
Auch bei diesem Patienten zeichnet sich ein positiver Effekt der Therapie ab. Als er mich nach acht Wochen in der Praxis aufsucht, berichtet er über eine deutliche Zunahme seines Appetits und er hat jetzt wieder Freude am Essen. Ein weiterer Praxisbesuch in sechs Wochen dokumentiert die erfolgreiche Therapie insofern, als dass er sein gewohntes Gewicht wieder erreicht hat. Ihm wird empfohlen, das Präparat mit 3 mal 20 Tropfen weiterhin fortzusetzen.
Fazit
Sekretionsfördernde Pflanzen vermögen bei dyspeptischen Beschwerden erstaunlich viel zu leisten, wie dies aus den Kasuistiken hervorgeht. Die Zahl jener Patienten, welche uns in der Praxis mit Verdauungsbeschwerden aufsuchen, nimmt stetig zu. Den Therapeuten steht mit dem Präparat Bio 7 Kräuter ein effizientes Remedium zur Verfügung, Patienten die unter Verdauungsbeschwerden leiden, zu helfen.
Literatur:
- Phytotherapie / M. Wenigmann / Urban & Fischer
- Praxis – Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde / M. Bühring / Sonntag
Internet:
https://www.zentrum-dergesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/inhaltsstoffe/bitterstoffe
Autor: Peter Schwarz, Heilpraktiker, Dozent, Autor, D - 79576 Weil am Rhein